Daniela Wiessner
Daniela Wiessner schreibt über das Leben in seiner besten Version. Als Gründerin von DIVENDO – Health Business Performance, Heilpraktikerin und strategische Beraterin im Bereich Longevity-Medizin verbindet sie wissenschaftliche Substanz mit einem Gespür für das, was Menschen wirklich bewegt: länger jung bleiben, klüger altern, besser leben. Ihre Themen sind Longevity, Biohacking und der neue Lifestyle der Prävention.
Gliederung:

Lohnt es sich, Kollagen einzunehmen?
Kollagen ist in aller Munde – buchstäblich. Der globale Markt für Kollagenpraparate wurde 2024 auf rund 9,4 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2033 auf 16 Milliarden anwachsen. Pulver, Kapseln, Getränke – das Versprechen ist stets dasselbe: schönere Haut, stärkere Gelenke, längeres Leben. Doch eines fehlte bislang: ein mechanistisches Verständnis darüber, welcher Teil des aufgenommenen Kollagens diese Effekte überhaupt auslöst.
Genau diese Lücke schließt eine im November 2025 in Nature/npj Aging erschienene Studie von Dakhovnik, Mantovani und Kolleginnen der ETH Zürich und weiterer europäischer Institutionen. Ihre Kernthese ist so elegant wie überraschend: Nicht das ganze Kollagenmolekül, nicht besondere Peptide, sondern lediglich drei Aminosäuren im richtigen Verhältnis sind hinreichend, um evolutionär konservierte Langlebigkeitseffekte auszulösen.
Drei Aminosäuren im Verhältnis 3:1:1 – das ist die minimale funktionale Einheit des Kollagens, die Langlebigkeit fördert.
Warum wird Kollagen mit dem Alter zum Problem?
Kollagen ist das am häufigsten vorkommende Protein im Säugetierorganismus und macht 12 bis 17 Prozent der gesamten Proteinmasse aus. Es ist das strukturgebende Grundgerüst von Haut, Knochen, Sehnen, Knörpel und Gefäßwänden. Und es altert sichtbar: Ab dem dritten Lebensjahrzehnt sinkt die Kollagenproduktion in der menschlichen Haut um etwa 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Falten, Elastizitätsverlust, Hydratationsmangel – das sind die sichtbaren Folgen eines biochemischen Prozesses, der im Verborgenen längst begonnen hat.
Weniger sichtbar, aber genauso gravierend ist, was im Inneren passiert:
Mit zunehmendem Alter verliert der Körper zunehmend die Fähigkeit, Kollagen in ausreichender Menge und Qualität nachzubilden – mit Folgen für Knochen, Knorpel, Muskeln und Gefäßwände.. Sarcopenie, Osteoporose, Gelenkerkrankungen – viele Alterspathologien haben eine kollagene Grundlage. Die Frage der Forschenden war daher keine kosmetische, sondern eine fundamental biologische:
Welches Signal, welche Substanz, löst die körpereigene Kollagensynthese wieder aus?

Die Formel: 3 Glycin : 1 Prolin : 1 Hydroxyprolin
Kollagen besteht strukturell aus Tripelhelices, deren Grundmuster aus der Sequenz Glycin-X-Y aufgebaut ist. X ist üblicherweise Prolin, Y Hydroxyprolin. Daraus ergibt sich ein natürliches Verhältnis: Glycin kommt dreimal so häufig vor wie die anderen beiden Aminosäuren. Die Forschenden stellten die naheliegende, aber bis dato ungeprüfte Frage: Reicht dieses Verhältnis aus – ohne jedes Peptid, ohne das gesamte Molekül – um biologisch wirksam zu sein?
Das Ergebnis war eindeutig: Wurden die drei Aminosäuren einzeln verabreicht, zeigte keine einen nennenswerten Effekt auf die Kollagenhomöostase. Erst die Kombination im Verhältnis 3:1:1 löste eine stark verlängerte Kollagenexpression aus. Die Aminosäuren wirken demnach nicht additiv, sondern synergistisch – das Verhältnis ist entscheidend, nicht die blosse Menge.
Vom Fadenwurm zum Menschen: eine evolutionäre Kette der Evidenz
Die Studie folgt einer Logik, die in der modernen Longevity-Forschung zum Standard gehört: Sie testet ihre Hypothesen auf mehreren biologischen Ebenen, bevor sie Schlüsse für den Menschen zieht. Das Ergebnis ist eine bemerkenswert konsistente Evidenzkette.
Auf der Ebene von C. elegans – dem Fadenwurm, der als Modellorganismus in der Alternsforschung unverzichtbar geworden ist – verlängerte die 3:1:1-Kombination die Lebensspanne um 6 bis 27 Prozent über fünf unabhängige Versuchsdurchläufe.
Gleichzeitig verbesserte sich die Beweglichkeit der Tiere – ein Indikator für Healthspan, also die Qualität des Lebens, nicht nur seine Dauer. Bemerkenswerterweise übertraf die Wirkung der Aminosäuremischung jene von vollständigen Kollagenpeptiden.
An menschlichen Fibroblasten in vitro förderte die Supplementierung die Kollagenhomöostase der Hautzellen messbar – ein direkter Beleg dafür, dass der Mechanismus auf humane Zellen übertragbar ist.
Bei geriatrischen Mäusen im Alter von 20 bis 26 Monaten – einem für Menschen entsprechend hohen Lebensalter – verbesserte die Supplementierung die Griffstärke messbar und verhinderte die für das Alter typische Fettakkumulation. Beides sind klinisch relevante Parameter für muskuloskelettale Gesundheit und Stoffwechselkompetenz.
Was in Fadenwurm, Mausmuskeln und menschlichen Hautzellen wirkt, wirkt auch im Menschen.
Die klinische Studie: Biologisches Alter sinkt um 1,4 Jahre
Der medizinisch bedeutsamste Teil der Studie ist die klinische Beobachtungsstudie am Menschen (ISRCTN93189645). Teilnehmende erhielten über sechs Monate oral eine Supplementierung mit der 3:1:1-Aminosäurenkombination.
Die Ergebnisse nach drei Monaten: messbar verbesserte Hautparameter – Hydratation, Elastizität, Faltentiefe. Das ist im Einklang mit anderen Kollagenstudien, bestätigt aber nun den spezifischen Mechanismus jenseits unspezifischer Proteineffekte.
Das Ergebnis nach sechs Monaten ist das, über das die Longevity-Forschung seit Jahren spekuliert: eine statistisch signifikante Reduktion des biologischen Alters um 1,4 Jahre (p = 0,04). Gemessen wurde dies mit epigenetischen Uhren – also Biomarkern, die auf der Basis von DNA-Methylierungsmustern das biologische Alter unabhängig vom Kalenderalter bestimmen.
Das bedeutet: Die Körper der Teilnehmenden wiesen nach sechs Monaten Supplementierung die epigenetische Signatur eines im Schnitt 1,4 Jahre jüngeren Organismus auf.
Zu betonen ist: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, keine randomisierte kontrollierte Studie. Das limitiert die Kausalitätsaussage. Die Forschenden selbst weisen auf diese Einschränkung hin und fordern größere, kontrollierte Folgestudien. Dennoch ist das Ergebnis – gerade in Kombination mit den präklinischen Daten – biologisch plausibel und wissenschaftlich signifikant.
Mechanismus statt Marketing
Der eigentliche Wert dieser Studie liegt nicht im Befund selbst, sondern in der mechanistischen Erklärung, die sie liefert. Bislang war Kollagen-Supplementierung ein empirisches Feld: Klinische Studien zeigten Wirkungen auf Haut, Knochen, Muskeln, Gelenke und Metabolismus – aber warum das so ist, blieb unklar. Nun lässt sich sagen: Das Wirksignal sind drei Aminosäuren in einem spezifischen Verhältnis, die offenbar als Informationsmoleküle fungieren und die körpereigene Kollagenmaschinerie reaktivieren. Dies hat praktische Konsequenzen.
- Erstens: Nicht jedes Kollagenprodukt ist gleich – entscheidend ist das Verhältnis der Aminosäuren im Endprodukt, nicht die Herkunft oder Verarbeitungsform.
. - Zweitens: Der Effekt ist dosisabhängig und ratioabhängig.
. - Drittens: Die Sicherheit der Supplementierung wurde auch in der ältesten Tiergruppe und bei Menschen gezeigt – es gab keine Hinweise auf unerwartete Nebenwirkungen.
Für die Longevity-Medizin ist die Studie ein Beleg dafür, dass Nutrazeutika – also nährungsstoffbasierte Substanzen mit pharmakologischem Potenzial – zunehmend auf einer Evidenzebene ankommen, die über Erfahrungsberichte und Marketingversprechen hinausgeht. Die biologische Altersuhr ist beeinflussbar. Und das mit einem der simplsten Zutaten des Körpers selbst.
Biologisches Altern ist kein unveränderliches Schicksal – es ist ein biochemischer Prozess, der sich gezielt beeinflussen lässt.
Einordnung und Ausblick
Die Studie von Dakhovnik, Mantovani et al. steht nicht allein. Sie fügt sich in ein wachsendes Forschungsfeld ein, das Kollagen nicht nur als Bausubstanz, sondern als Signalmolekül und Biomarker für Alterungsprozesse versteht.
Epigenetische Uhren wie die in dieser Studie verwendeten Messverfahren haben in den vergangenen Jahren erheblich an Validiät gewonnen und sind zunehmend Standard in klinischen Longevity-Studien.
Was bleibt ist die Forderung nach einem nächsten Schritt: einer randomisierten, placebo-kontrollierten, größer angelegten klinischen Studie, die die Kausalität des beobachteten biologischen Alterseffekts bestätigt. Die ETH-Gruppe hat dafür mit dieser Studie ein solides wissenschaftliches Fundament gelegt.
Für Longevity-Zentren, ärztliche Präventivpraxen und informierte Patienten bedeutet das: Kollagen-Supplementierung ist – richtig verstanden und richtig dosiert – keine Lifestyle-Mode, sondern ein wissenschaftlich ernstzunehmender Ansatz zur Förderung gesunden Alterns.
Kollagenprodukt der Studie
Die in der Studie verwendete Formulierung ist als Fertigprodukt im Handel erhältlich. Das Schweizer Unternehmen Avea Life AG hat den Wirkstoff Colgevity™ in enger Zusammenarbeit mit den Studienautoren der ETH Zürich entwickelt – Sophie Chabloz, Chief Science Officer von Avea, ist Mitautorin der publizierten Studie.
Das Produkt trägt den Namen Collagen Activator und liefert pro Tagesdosis (ein Sachet, 11,5 g) exakt die in der Studie eingesetzte Formel: 5.000 mg L-Glycin, 1.700 mg L-Prolin und 1.700 mg L-Hydroxyprolin – dem Verhältnis 3:1:1 entsprechend – ergänzt durch Calcium-Alpha-Ketoglutarat (1.000 mg), Astaxanthin (4 mg) und Vitamin C aus Acerola (48 mg).
Die Formulierung ist zu 100 Prozent vegan, in der Schweiz hergestellt und über aveva-life.com sowie über Shop-Apotheke und Amazon.de erhältlich. Der Preis liegt bei rund 79 Euro pro Monatspackung.
Zur Einordnung:
Die klinische Studie testete die vollständige Formel – also Colgevity™ zusammen mit AKG, Astaxanthin und Vitamin C. Ob der gemessene Effekt auf das 3:1:1-Aminosäure-Verhältnis allein oder auf das Zusammenspiel der Gesamtrezeptur zurückgeht, lässt sich auf Basis dieser Beobachtungsstudie nicht abschließend trennen. Das Produkt ist gleichwohl das einzige am Markt, das der untersuchten Formulierung vollständig entspricht.
🩺 Medizinisch geprüft am 03.03.2026
Dieser Beitrag wurde fachlich geprüft von Dr. med. Verena Immer. Sie ist Ärztin für Integrative und Anti-Aging-Medizin mit einem ganzheitlichen Ansatz, der schulmedizinisches Wissen mit komplementären Methoden verbindet. Sie hat erfolgreich das Konzept der individualisierten Medizin in ihrer eigenen Praxis bei München angewendet und bietet derzeit personalisierte Medizin – mit Schwerpunkt Longevity – in der Schweiz an.
Haftungsausschluss
Dieser Blog dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Ausübung von Medizin, Krankenpflege oder anderen professionellen Gesundheitsdienstleistungen dar, einschließlich der Erteilung medizinischer Ratschläge, und es wird kein Arzt-Patienten-Verhältnis begründet. Die Nutzung von Informationen in diesem Blog oder von Materialien, die mit diesem Blog verlinkt sind, erfolgt auf eigenes Risiko des Nutzers. Der Inhalt dieses Blogs ist nicht als Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung gedacht. Die Nutzer sollten bei allen Erkrankungen, die sie möglicherweise haben, ärztlichen Rat nicht ignorieren oder verzögern und bei solchen Erkrankungen die Hilfe ihres medizinischen Fachpersonals in Anspruch nehmen.









