Daniela Wiessner
Daniela Wiessner schreibt über das Leben in seiner besten Version. Als Gründerin von DIVENDO – Health Business Performance, Heilpraktikerin und strategische Beraterin im Bereich Longevity-Medizin verbindet sie wissenschaftliche Substanz mit einem Gespür für das, was Menschen wirklich bewegt: länger jung bleiben, klüger altern, besser leben. Ihre Themen sind Longevity, Biohacking und der neue Lifestyle der Prävention.
Gliederung:
- Die erschreckenden Ergebnisse der Antwerpen-Studie
- PFAS: Die unsichtbare Bedrohung
- Die gesundheitlichen Risiken sind besorgniserregend
- Wie gelangen PFAS in Papierstrohhalme?
- Sind wir in Gefahr? Die Frage der Exposition
- Was ist die Alternative?
- Der versteckte Preis des Greenwashings
- Die Macht der informierten Entscheidung

Die Ironie könnte kaum größer sein: Während wir in der EU Plastikstrohhalme verbannt haben, um Meereslebewesen zu schützen, haben wir sie durch eine Alternative ersetzt, die möglicherweise ein noch größeres Gesundheitsrisiko für uns selbst darstellt. Starte hier den Faktencheck.
Eine Studie der Universität Antwerpen hat enthüllt, dass 90% der untersuchten Papierstrohhalme sogenannte PFAS enthalten – hochproblematische „Ewigkeitschemikalien“, die sich im Körper anreichern und mit einer Reihe schwerwiegender Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht werden.
Die erschreckenden Ergebnisse der Antwerpen-Studie
Als Dr. Thimo Groffen und sein Forscherteam 39 verschiedene Strohhalm-Marken aus fünf Materialien untersuchten, erwarteten sie kaum, was sie finden würden. Die Ergebnisse waren alarmierend: 90% der Papierstrohhalme enthielten PFAS-Verbindungen – deutlich mehr als bei Plastikstrohhalmen, von denen „nur“ 75% belastet waren. Auch bei Bambusstrohhalmen sah es mit 80% nicht besser aus. Lediglich Edelstahlstrohhalme erwiesen sich als komplett PFAS-frei.
Die Forscher identifizierten insgesamt 18 verschiedene PFAS-Verbindungen, darunter Perfluorbutansäure (PFBA), Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluorhexansäure (PFHxA). Besonders beunruhigend:
PFOA ist seit 2020 aufgrund seiner Gesundheitsrisiken weltweit verboten – und taucht trotzdem in den „umweltfreundlichen“ Alternativen auf.
PFAS: Die unsichtbare Bedrohung
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind eine Familie von über 12.000 synthetischen Chemikalien, die wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in unzähligen Alltagsprodukten eingesetzt werden. Was sie besonders gefährlich macht: Sie bauen sich praktisch nicht ab – weder in der Umwelt noch im menschlichen Körper. Einmal aufgenommen, verbleiben sie dort für Jahre oder sogar Jahrzehnte und können sich zu einer toxischen Belastung aufsummieren, die mit zahlreichen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht wird.
Die gesundheitlichen Risiken sind besorgniserregend
Die Liste der mit PFAS verbundenen Gesundheitsrisiken liest sich wie ein medizinisches Horrorkabinett. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat PFOA als „krebserregend für Menschen“ (Gruppe 1) eingestuft, mit einem erhöhten Risiko für Hoden- und Nierenkrebs. Zudem steht PFOS unter Verdacht, „möglicherweise krebserregend“ zu sein.
Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. PFAS werden auch mit Leberschäden, erhöhten Cholesterinwerten, Schilddrüsenerkrankungen und einer geschwächten Immunabwehr in Verbindung gebracht. Studien zeigen sogar Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen und niedrigerem Geburtsgewicht.
Besonders tückisch:
PFAS reichern sich im Körper an. Selbst kleine Mengen, wie die aus einem Strohhalm, können zur bereits vorhandenen Chemikalienbelastung beitragen und das Risiko für gesundheitliche Probleme erhöhen.
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Wie gelangen PFAS in Papierstrohhalme?
Die genaue Herkunft der PFAS in den untersuchten Strohhalmen ist nicht abschließend geklärt. Die Forscher vermuten jedoch, dass sie teilweise absichtlich als wasserabweisende Beschichtung hinzugefügt werden. Schließlich müssen Papierstrohhalme dem Kontakt mit Flüssigkeiten standhalten, ohne durchzuweichen – eine Eigenschaft, die PFAS perfekt erfüllen.
Andere Möglichkeiten sind die unbeabsichtigte Kontamination während des Produktionsprozesses oder – im Fall von Bambusstrohhalmen – eine Aufnahme aus kontaminiertem Boden während des Pflanzenwachstums. Besonders problematisch: Viele Hersteller testen ihre Produkte nicht einmal auf diese Chemikalien, sodass sie möglicherweise gar nicht wissen, dass ihre „umweltfreundlichen“ Strohhalme diese bedenklichen Substanzen enthalten.
Sind wir in Gefahr? Die Frage der Exposition
Die gute Nachricht: Die in den Strohhalmen gefundenen PFAS-Konzentrationen waren relativ niedrig, und da die meisten Menschen Strohhalme nur gelegentlich verwenden, ist das unmittelbare Gesundheitsrisiko begrenzt. Dr. Groffen betont: „Dies ist nur eine sehr kleine Quelle zusätzlicher Exposition, die leicht vermieden werden könnte.“
Die schlechte Nachricht: Es geht nicht nur um die einzelne Exposition durch einen Strohhalm, sondern um die kumulative Belastung. PFAS finden sich in Lebensmittelverpackungen, Kosmetika, Kleidung, Kochgeschirr und sogar im Trinkwasser. Jede zusätzliche Expositionsquelle erhöht die Gesamtbelastung – und damit das Gesundheitsrisiko.

Was ist die Alternative?
Die Studienergebnisse legen eine klare Empfehlung nahe: Edelstahlstrohhalme sind die sicherste Wahl, da in ihnen keine PFAS nachgewiesen wurden. Sie sind robust, langlebig und leicht zu reinigen – ein perfektes Beispiel für nachhaltige Alternativen, die weder die Umwelt noch die Gesundheit belasten.
Die noch einfachere Lösung: Verzichte ganz auf Strohhalme, wo immer es möglich ist. Direktes Trinken aus dem Glas ist nicht nur die natürlichste, sondern auch die sicherste Methode.
Der versteckte Preis des Greenwashings
Die PFAS-Problematik bei Papierstrohhalmen ist ein Paradebeispiel für „Greenwashing“ – das Phänomen, bei dem Produkte als umweltfreundlich vermarktet werden, obwohl sie in Wirklichkeit problematische Aspekte aufweisen. Während die Öffentlichkeit den Kampf gegen Plastik unterstützt, werden die potenziellen Gesundheitsrisiken der Alternativen kaum thematisiert.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit strengerer Regulierungen und Transparenz in der Produktion. In Europa diskutiert die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) bereits eine universelle Beschränkung von PFAS-Verbindungen, während in den USA bislang keine bundesweiten Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen existieren.
Für uns als Verbraucher bedeutet dies: Wir müssen kritischer hinterfragen, was als „grün“ oder „umweltfreundlich“ vermarktet wird, und auf echte, gesundheitlich unbedenkliche Alternativen setzen.
Die Macht der informierten Entscheidung
Wissen ist Macht – und in diesem Fall die Macht, deine Gesundheit zu schützen. Mit dem Bewusstsein über die PFAS-Belastung in Papierstrohhalmen kannst du bewusstere Entscheidungen treffen. Greife zu Edelstahlstrohhalmen für den täglichen Gebrauch oder verzichte ganz auf Strohhalme, wenn möglich.
Denke daran: Jede kleine Entscheidung zählt, wenn es um die Reduzierung deiner Gesamtbelastung mit Umweltchemikalien geht. Indem du eine Expositionsquelle eliminierst, kannst du dein persönliches Risiko senken und gleichzeitig ein Signal an die Industrie senden, dass Verbraucher wirklich nachhaltige und gesundheitlich unbedenkliche Produkte fordern.
Quellen:
tandfonline.com – Boisacq, P., De Keuster, M., Prinsen, E., Jeong, Y., Bervoets, L., Eens, M., … Groffen, T. (2023). Assessment of poly- and perfluoroalkyl substances (PFAS) in commercially available drinking straws using targeted and suspect screening approaches. Food Additives & Contaminants: Part A, 40(9), 1230–1241. https://doi.org/10.1080/19440049.2023.2240908
sciencedirect.com – The last straw: Characterization of per- and polyfluoroalkyl substances in commercially-available plant-based drinking straws
cancer.org – PFOA, PFOS, and Related PFAS Chemicals
epa.gov – Our Current Understanding of the Human Health and Environmental Risks of PFAS
🩺 Medizinisch geprüft am 31.10.2025
Dieser Beitrag wurde fachlich geprüft von Dr. med. Verena Immer. Sie ist Ärztin für Integrative und Anti-Aging-Medizin mit einem ganzheitlichen Ansatz, der schulmedizinisches Wissen mit komplementären Methoden verbindet. Sie hat erfolgreich das Konzept der individualisierten Medizin in ihrer eigenen Praxis bei München angewendet und bietet derzeit personalisierte Medizin – mit Schwerpunkt Longevity – in der Schweiz an.
Bildquelle: istockphoto.com
Junge Frau trinkt ein Glas Wasser | credits @ seb_ra
Papierstrohhalme | credits @ ddukang
Shampoo | credits @ Elena Perova
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