Daniela Wiessner
Daniela Wiessner schreibt über das Leben in seiner besten Version. Als Gründerin von DIVENDO – Health Business Performance, Heilpraktikerin und strategische Beraterin im Bereich Longevity-Medizin verbindet sie wissenschaftliche Substanz mit einem Gespür für das, was Menschen wirklich bewegt: länger jung bleiben, klüger altern, besser leben. Ihre Themen sind Longevity, Biohacking und der neue Lifestyle der Prävention.
Gliederung:

Studie zeigt: Hundebesitzer leben länger
Eine Hommage an Madoxx – meinen kleinen Longevity-Frenchie
Die Frisbee-Scheibe liegt noch im Garten. Ich habe sie nicht weggeräumt. Vielleicht weil es zu endgültig wäre. Vielleicht weil ich jeden Morgen an ihr vorbeigehe und mich erinnere, wie Madoxx sie unermüdlich angeschleppt hat – schnaufend, stolz, mit unendlicher Begeisterung. Zwölf Kilogramm Französische Bulldogge, die das Leben jeden Morgen neu erfunden hat. Bis zum letzten Tag.
Dreizehn Jahre lang war unsere Morgenroutine dieselbe: raus auf die Wiese, Frisbee spielen – egal wie voll der Kalender war, egal wie grau der Himmel. Madoxx hat nicht gefragt, ob ich Lust hatte. Er stand einfach da. Hat mich aufgefordert. Und ich bin mitgegangen.
Wie viel er meinem Herzen schenkte, wusste ich – fühlte ich jeden Tag. Nach seinem Verlust besonders schmerzhaft. Wie wörtlich das allerdings zu nehmen ist und wie sehr sich das auf meine Gesundheit und meine Longevity bezog, dass wusste ich nicht. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich diese Studie entdeckt habe.
Was die Studie „Dog Ownership and Survival“ zeigt
Forscher des Mount Sinai Hospital Toronto haben in einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse Daten aus zehn großen Beobachtungsstudien mit insgesamt über 3,8 Millionen Teilnehmern und mehr als 530.000 Todesfällen ausgewertet – über einen mittleren Beobachtungszeitraum von mehr als zehn Jahren.
Das Ergebnis: Hundebesitzer hatten ein um 24 Prozent niedrigeres Gesamtsterberisiko als Menschen ohne Hund.
Bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder ein koronares Ereignis hinter sich hatten, war der Effekt noch ausgeprägter: Für diese Gruppe war das Leben mit einem Hund mit einer 65-prozentigen Reduktion des Gesamtsterberisikos verbunden.
Und auf die Herzgesundheit bezogen: Hundebesitzer hatten ein um 31 Prozent niedrigeres Risiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben. Kein Medikament, kein Supplement, kein Biohacking-Protokoll verspricht dir das in dieser Klarheit – und basierend auf einer derart umfangreichen Datenlage.
Es geht um weit mehr als Bewegung
Jetzt denkt ihr vielleicht. Klar: Hundebesitzer haben mehr Bewegung. Stichwort: Frisbee! Jedoch betont die Studie ausdrücklich: Bewegung ist nur ein Teil des Bildes. Die Forschung verweist auf niedrigere Blutdruckwerte, ein günstigeres Lipidprofil und gedämpfte Stressreaktionen des sympathischen Nervensystems als mögliche Wirkmechanismen. Hinzu kommt, dass Hundebesitz das Risiko einer Depression nach einem Herzinfarkt senken kann – einem der bedeutsamsten Risikofaktoren für die Sterblichkeit nach kardialen Ereignissen. Und schließlich: die soziale Dimension.
Ein Hund schützt vor Isolation – besonders für Menschen, die allein leben.
Madoxx war mein Hund – und so viel mehr. Er war mein Buddy, mein Partner in Crime, mein Freund – und ich schwöre es: Er hat jedes Wort verstanden, das ich ihm sagte. Er war mein Grund, warum ich nicht völlig in Arbeit versank und während eines langen Arbeitstages doch noch aus dem Haus kam.
Er war das warme Gewicht, das sich abends an mich lehnte, wenn der Stress des Tages noch im Körper saß. Er war jemand, der sich immer freute, egal wo ich gerade herkam – vom Kunden oder vom Müll wegbringen. 5 Stunden oder 1 Minute. Egal. Die Freude mich zu sehen, war grenzenlos. Solche soziale Interaktion reguliert das Nervensystem. Sie senkt den Cortisolspiegel. Das hält das Herz gesund – nicht metaphorisch, sondern wissenschaftlich messbar.
Was ich daraus ziehe
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Longevity. Schreibe darüber. Halte ein Vorlesung an der HAM darüber. Entwickle Geschäftsmodelle für Longevity. Darin dreht sich alles um Biomarker, Hormone, Schlafqualität, Entzündungswerte, Mitochondrien, die Hallmarks of Aging. Und doch hat mich diese Studie auf eine Art berührt, die rein wissenschaftliche Texte selten schaffen: weil ich ihre Zahlen mit eigenem Körpergefühl belegen kann.
Seit Madoxx nicht mehr da ist, fehlt nicht nur die Bewegung. Es fehlt die Struktur des Tages, die er mir gegeben hat. Es fehlt die stille Verbindlichkeit, die keine Ausrede kannte. Es fehlt das Wesen, das einfach neben mir saß – ohne Agenda, ohne Smartphone, ohne Erwartung außer meiner Nähe. Das ist gelebte und gefühlte Longevity. Nicht in einer Kapsel. Nicht in einer HBOT oder Kryokammer. Sondern in einer Beziehung, die dich täglich ein bisschen gesünder und glücklicher macht – ohne dass du es bemerkst.
Wenn du einen Hund hast: Unterschätze nicht, was er täglich für dich tut.
Und wenn du überlegst, ob du dir einen holen sollst: Die Studienautoren selbst formulieren es als Aufruf, Hundebesitz als mögliche Lebensstilintervention ernstzunehmen – besonders für Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko. Das ist ein Argument, das sich vor jedem Kardiologen sehen lassen kann.
Ich jedenfalls habe die Konsequenz gezogen. Als Longevity-Expertin, die genau weiß, was die Wissenschaft sagt – und die es jetzt auch am eigenen Leben gespürt hat.

Enzo, der Zwergdackel, wartet noch bei seiner Mama auf mich. Aber er kommt bald. Als nächster Herzenshund. Und ich werde sein Longevity-Coach sein – so wie er meiner. Die Frisbee-Scheibe und der „Balli“ liegen bereit. Ich bin sicher, Enzo wird sie mögen.
Aber eines ist mir dabei wichtig:
Ein Hund passt nicht automatisch in jedes Leben. Denn während der Hund für uns Bewegung, Struktur, Bindung und Herzgesundheit bedeutet – sind wir für ihn das einzige, was zählt. Der Mensch ist der einzige Longevity-Coach, den der Hund hat. Diese Beziehung ist keine Einbahnstraße. Sie ist ein Versprechen – und sie verdient dieselbe Ernsthaftigkeit, mit der wir jede andere Entscheidung für unsere Gesundheit treffen.
Wer sich einen Hund holt, weil er einsam ist oder weil eine Studie es empfiehlt, hat den Kern noch nicht verstanden. Wer sich einen Hund holt, weil er bereit ist, auch für ein anderes Wesen Verantwortung zu tragen – der wird erleben, was keine Messung vollständig erfasst.
Quelle:
Dog Ownership and Survival: A Systematic Review and Meta-Analysis | Caroline K. Kramer, MD, PhD Caroline.Kramer@sinaihealthsystem.ca, Sadia Mehmood, BSc, and Renée S. Suen
AUTHOR INFO & AFFILIATIONS
Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes | Volume 12, Number 10 – https://doi.org/10.1161/CIRCOUTCOMES.119.005554
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